
Jan Ullrich – Exklusivinterview für La Primafit
Jan Ullrich ist einer der erfolgreichsten deutschen Straßenradfahrer der Geschichte. Er ist Sieger der Tour de France, der Vuelta a España, Olympiasieger, Weltmeister und mehrfacher Deutscher Meister.
1. Wie hast du Ernährung und Regeneration als Profi angegangen, und wie hat sich das über die Jahre verändert?
Als Profi war Ernährung für mich immer ein zentrales Thema – auch wenn wir damals noch nicht die gleiche wissenschaftliche Grundlage hatten wie heute. Vieles lief über Erfahrung, Gefühl und den Austausch mit Teamkollegen. Heute ist das Wissen deutlich größer: von präziser Kohlenhydrat-Planung bis hin zur optimalen Proteinzufuhr für die Regeneration. Ich selbst achte inzwischen viel bewusster darauf, was mein Körper braucht – und wie ich schneller wieder fit werde.
2. Rückblickend: Was hättest du mit dem heutigen Wissen über Sporternährung anders gemacht?
Ich hätte definitiv strukturierter auf die Ernährung gesetzt. Damals war es oft so, dass wir einfach „viel gegessen“ haben, um die Energie zu decken. Heute weiß man: Timing und Qualität sind genauso wichtig wie die Menge. Mit dem heutigen Wissen hätte ich sicher das eine oder andere Rennen noch konstanter bestreiten können.
3. Kannst du deine lustigste oder unvergesslichste Ernährungs-Story aus deiner Rennzeit teilen?
Das Unvergesslichste ist für mich leider kein lustiger Moment, sondern einer der bittersten meiner Karriere: der Hungerast 1998 am Col du Galibier. Ich trug das Gelbe Trikot, doch ich hatte meine Energiezufuhr nicht gut geplant. Als mir dort „der Stecker gezogen“ wurde, konnte ich nichts mehr entgegensetzen und verlor nicht nur die Etappe, sondern am Ende auch die Tour de France. Daraus habe ich viel gelernt: egal wie stark man sich fühlt, Ernährung entscheidet Rennen.
4. Wie hast du deinen größten Sieg verpflegt?
Beim Tour-de-France-Sieg 1997 war das Schlüsselthema, die Energiezufuhr während der langen Etappen konstant zu halten. Ich habe regelmäßig gegessen und getrunken – auch dann, wenn ich eigentlich keinen Appetit hatte. Das hat am Ende den Unterschied gemacht: nie in ein Hungerloch zu fallen.
5. Was sind die größten Unterschiede zwischen dem Radsport deiner Zeit und dem modernen Peloton (z. B. Ernährung, Tempo, Material)?
Der größte Unterschied liegt in der Professionalität. Heute ist alles viel durchdachter: Ernährung, Training, Regeneration – nichts wird dem Zufall überlassen. Das Tempo im Peloton ist höher, die Rennräder sind leichter und aerodynamischer, und die Fahrer haben Zugriff auf perfekt abgestimmte Ernährungspläne. Zu meiner Zeit war vieles eher „Learning by doing“.
6. Wie gehst du heute an Sport und Training heran? Wie sieht deine Routine aktuell aus?
Heute steht für mich der Spaß im Vordergrund. Ich fahre regelmäßig Rad, gehe laufen und mache auch Krafttraining – aber alles in einem gesunden Maß. Es geht mir darum, fit zu bleiben, Energie zu tanken und den Kopf frei zu bekommen.
7. Wie bist du heute noch mit der Radsportwelt verbunden?
Ich bin mit vielen Ex-Profis befreundet, stehe noch in engem Kontakt zur Szene und bin bei verschiedenen Events und Projekten aktiv. Außerdem bin ich über meinen Podcast „Ulle & Rick“ zusammen mit Rick Zabel ganz nah dran am aktuellen Radsportgeschehen. Dort sprechen wir über Rennen, Fahrer und persönliche Erfahrungen – das hält mich mittendrin in der Radsportwelt.
8. Welchen Rat würdest du jungen Fahrern geben, die zu dir aufschauen?
Bleibt geduldig und glaubt an euch selbst. Erfolge kommen nicht über Nacht, sondern sind das Resultat harter Arbeit und Leidenschaft. Und ganz wichtig: Vergesst nie den Spaß am Radfahren – das ist die Grundlage für alles.
9. Warum hast du dich für eine Partnerschaft mit Amacx entschieden?
Weil ich mich mit der Marke identifizieren kann. Amacx steht für Qualität, Innovation und Leidenschaft für den Sport. Genau das brauche ich auch heute – und genau das möchte ich jungen Fahrern weitergeben.
10. Welches Amacx-Produkt hast du bei einer Ausfahrt immer in der Trikottasche?
Ganz klar die Energy Gels – die sind handlich, leicht zu öffnen und geben mir genau den schnellen Energieschub, den man unterwegs braucht. Ohne die fahre ich eigentlich nie los.
Hinterlasse einen Kommentar